Zukunft des Jugendmigrationsdienstes im Kreis Gütersloh muss jetzt gesichert werden

(v.l) DeineDiakonie Vorstand Karsten Stüber und Benjamin Varnholt, Geschäftsbereichsleiter Beratungsdienste

Dem Kreis Gütersloh droht zum Jahresende der Verlust zweier wichtiger Integrations- und Beratungsangebote. Sowohl der Jugendmigrationsdienst (JMD) Gütersloh als auch die Regionale Beratungsstelle für Geflüchtete (RBfG) in Rheda-Wiedenbrück stehen vor dem Aus, wenn nicht kurzfristig tragfähige Lösungen gefunden werden.

Der Jugendmigrationsdienst begleitet junge Menschen mit Migrationsgeschichte beim Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf. Als einziger Jugendmigrationsdienst im Kreis Gütersloh leistet er einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration und zur Fachkräftesicherung in der Region. Die Regionale Beratungsstelle für Geflüchtete unterstützt Geflüchtete und ihre Familien bei Orientierung, Integration und Teilhabe und trägt damit zu einem gelingenden Zusammenleben vor Ort bei.

DeineDiakonie* hat in den vergangenen Monaten verschiedene Lösungswege geprüft und zahlreiche Gespräche mit Verbänden, Politik, Verwaltung und möglichen Kooperationspartnern geführt. Ziel bleibt der Erhalt beider Angebote und der damit verbundenen sozialen Infrastruktur.

„Wir möchten diese Angebote nicht schließen. Sie leisten jeden Tag wichtige Arbeit für junge Menschen, Familien und unsere Kommunen. Gerade der Jugendmigrationsdienst unterstützt junge Menschen dabei, ihren Weg in Ausbildung und Arbeit zu finden. Es kann nicht im Interesse unseres Kreises sein, auf diese Unterstützung zu verzichten. Gleichzeitig können wir die Finanzierung unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht dauerhaft allein verantworten. Deshalb brauchen wir jetzt tragfähige Lösungen und Entscheidungen“, erklärt Karsten Stüber, Vorstand der Diakonie. 

Steigende Personal- und Sachkosten, fehlende Planungssicherheit sowie nicht auskömmliche Refinanzierungen setzen Jugendmigrationsdienste und andere soziale Angebote zunehmend unter Druck. Die Situation in Gütersloh ist daher kein Einzelfall.

Für den Jugendmigrationsdienst liegt inzwischen eine konkrete Fortführungsperspektive vor. Im Sinne einer pragmatischen und verantwortungsvollen Lösung hat die Diakonie Gütersloh Gespräche mit der Caritas Gütersloh geführt. Die Caritas hat ihre Bereitschaft signalisiert, den Jugendmigrationsdienst künftig zu übernehmen und damit dieses seit Jahrzehnten etablierte Angebot für junge Menschen im Kreis Gütersloh zu erhalten.

„Für den Jugendmigrationsdienst besteht aus Sicht von Diakonie und Caritas eine fachlich tragfähige Fortführungsperspektive. Beide Träger sind sich einig, dass dieses bewährte Angebot für die jungen Menschen im Kreis Gütersloh erhalten bleiben soll. Voraussetzung für eine Übernahme durch die Caritas Gütersloh ist, dass hierfür ein tragfähiger und förderfähiger Weg eröffnet wird. Aktuell werden dazu auf Bundes- und Verbandsebene verschiedene Optionen geprüft. Entscheidend ist, dass eine Lösung gefunden wird, die den Fortbestand des Jugendmigrationsdienstes in Gütersloh sichert“, so Stüber.

Die Diakonie weist darauf hin, dass die Folgen einer Einstellung weit über die eigene Organisation hinausreichen würden. Mit dem Jugendmigrationsdienst würde ein zentraler Baustein der Integrationsarbeit im Kreis Gütersloh verloren gehen. Auch die Beratungsangebote für Geflüchtete in Rheda-Wiedenbrück würden wegfallen.

„Nicht die verbandliche Zuordnung darf im Mittelpunkt stehen, sondern die Frage, wie notwendige soziale Infrastruktur vor Ort erhalten werden kann. Aus unserer Sicht liegt für den Jugendmigrationsdienst bereits eine pragmatische und verantwortungsvolle Lösung auf dem Tisch. Jetzt kommt es darauf an, die notwendigen Voraussetzungen für ihre Umsetzung zu schaffen“, erklärt Karsten Stüber.

Gleichzeitig entwickelt die Diakonie Gütersloh für die betroffenen Mitarbeitenden konkrete Perspektiven innerhalb der Organisation. Nach aktuellem Stand werden die geplanten Veränderungen nicht zu betriebsbedingten Kündigungen führen. „Uns war von Beginn an wichtig, nicht nur nach Lösungen für die Angebote zu suchen, sondern auch für die betroffenen Mitarbeitenden. Deshalb arbeiten wir an konkreten Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten innerhalb unserer Organisation“, so Stüber.

Die Diakonie Gütersloh betont ausdrücklich, dass die mögliche Einstellung beider Angebote ausschließlich wirtschaftliche Gründe hat und keine Bewertung der fachlichen Arbeit oder des Engagements der Mitarbeitenden darstellt.

„Wir werben nicht für die Schließung dieser Angebote, sondern für ihren Erhalt. Wenn für den Jugendmigrationsdienst bereits eine tragfähige Fortführungslösung vorhanden ist, sollte alles dafür getan werden, diese auch umzusetzen. Die jungen Menschen im Kreis Gütersloh und die Zukunft dieser wichtigen Arbeit sollten dabei im Mittelpunkt stehen“, betont Stüber abschließend.Diakonie Gütersloh e.V.

 

*Disclaimer: „DeineDiakonie“ steht für den Zusammenschluss des Diakonie Gütersloh e.V. und der DiakonieVerband Brackwede Gesellschaft für Kirche und Diakonie mbH. Letztere ist seit 2019 eine 100-prozentige, rechtlich eigenständige Tochter des Diakonie Gütersloh e.V. Gemeinsam bilden sie ein Diakonisches Werk im Kirchenkreis Gütersloh. „DeineDiakonie“ beschäftigt mehr als 1.200 Mitarbeitende in den Bereichen Pflege, Betreuung, Beratung und Hauswirtschaft. Mit den Geschäftsfeldern Wohngemeinschaften, Diakoniestationen, stationäre sowie Tagespflege-Einrichtungen in den Kreisen Gütersloh und Warendorf sowie im Bielefelder Süden erbringt „DeineDiakonie“ ein umfassendes, qualifiziertes Angebot im Bereich der Pflege. Hinzu kommen u. a. Beratungs- und Begegnungsangebote in den Bereichen Familie, Jugend, Senior:innen und Migration.