Überrascht, wie wenig am Ende übrigbleibt

Fatima Ramadan (l.) und Jessica Porst berechneten Rentenpunkte im Workshop Altersvorsorge der Stadtteilmütter Brackwede. ©DeineDiakonie/Laura Borgelt

Cara Ezeokoli hat den Workshop für Frauen mit Migrationsgeschichte entwickelt. Sie ist interkulturelle Psychologin und Trainerin bei „Ercan Carikci Coaching & Rassismuskritische Organisationsentwicklung“ aus Hannover. Foto: privat

Die Stadtteilmütter Brackwede zusammen mit Stadtteilkoordinatorin Laura Borgelt von DeineDiakonie. Foto: DeineDiakonie/Stadtteilkoordination

Laura Borgelt (rechts) teilt sich mit ihrer Kollegin Hanna Hilliger seit Juli 2025 eine Stelle als Stadtteilkoordinatorin von DeineDiakonie in Brackwede. Foto: Manfred Berner

Stadtteilmütter Brackwede organisierten Workshop zur „Altersvorsorge für Frauen“

Bielefeld-Brackwede, 19. Februar 2026. Das deutsche Rentensystem ist für viele ein „Buch mit sieben Siegeln“. Besonders schwer verständlich kann es für Menschen sein, die seit Jahrzehnten in Deutschland leben und arbeiten, aber nicht hier aufgewachsen sind. Gerade für die Frauen unter ihnen ist das Armutsrisiko im Alter vergleichsweise groß. Deshalb haben die Stadtteilmütter Brackwede gezielt einen Workshop „Altersvorsorge für Frauen“ in der Stadtteilbibliothek veranstaltet, tatkräftig unterstützt durch die Stadtteilkoordination von DeineDiakonie*.

In einfacher Sprache und in einer Atmosphäre, in der Fragen zu stellen leichtfiel, erläuterte die interkulturelle Psychologin und Coachin Cara Ezeokoli aus Hannover die Grundlagen des Rentensystems. Außerdem beschrieb die Mitarbeiterin von Ercan Carikci Coaching Möglichkeiten, privat oder auch betrieblich vorzusorgen.

Schnell wurde deutlich, dass gerade die Jüngeren unter den 15 Workshop-Teilnehmerinnen sich zum ersten Mal mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigten: mit dem Generationenvertrag, mit den Herausforderungen, die sich durch den demografischen Wandel ergeben und schließlich mit der persönlichen Situation.

„Wissen, wo man finanziell steht“

Rentenpunkte ließen sich modellhaft berechnen. Das Ergebnis war ein großer Aha-Effekt: „Manche waren überrascht oder sogar erschrocken, als sie merkten, wie wenig Geld sie am Ende eines langen Arbeitslebens zur Verfügung haben werden“, berichtete Stadtteilkoordinatorin Laura Borgelt. Sie ist seit Juli 2025 für DeineDiakonie in Brackwede im Einsatz. „Es ist wichtig zu wissen, wo man finanziell steht“, sagte sie. „So besteht die Chance, rechtzeitig aktiv zu werden und gegenzusteuern.“ Detailfragen ergaben sich später: „Lohnt es sich, bei einem Minijob in die Rente einzuzahlen?“ Oder auch: „Kann ich Rente bekommen, falls ich später in mein Herkunftsland zurückgehe?“

Tiefer ins Thema Finanzen einsteigen

Der Workshop bot erste Antworten darauf, neben Deutsch auch in spanischer und arabischer Sprache. Außerdem lieferte Cara Ezeokoli weiterführende Hinweise. Die Deutsche Rentenversicherung informiert beispielsweise in mehreren Sprachen.

„Der Workshop hilft mir, meine Zukunft zu planen, damit ich im Alter gut leben kann“, betonte Jessica Porst. Sie stammt aus Bangladesch, ist Stadtteilmutter und arbeitet als Integrationshelferin in einer Schule.

Die Veranstaltung in Kooperation mit dem IBZ Friedenshaus Bielefeld e. V. wird als Auftakt betrachtet, um Frauen zu stärken oder zu empowern, wie es im Fachjargon heißt. Stadtteilmütter und -Koordinatorinnen denken jetzt gemeinsam darüber nach, weitere Formate für Frauen zu Finanzthemen anzubieten. Konkret im Gespräch ist bereits das Thema Aktien und speziell ETF’s – börsengehandelte Indexfonds.

 

Infokasten:

Stadtteilmütter Brackwede

Das Projekt „Stadtteilmütter und -väter“ entstand 2022 auf Initiative der Stadtteilkoordination von DeineDiakonie. Sie bereitet die Freiwilligen mit Schulungen auf ihr wichtiges Ehrenamt vor. Zurzeit gehören elf Frauen fest dazu. Als Vertrauenspersonen stehen sie besonders Familien und Alleinerziehenden in Brackwede zur Seite. Umfangreiche Sprachkenntnisse helfen bei der Verständigung, zum Beispiel bei Kita-Anmeldungen, Elternabenden in der Schule, bei Behördengängen, Arztbesuchen und der Übersetzung wichtiger Dokumente. Die Stadtteilmütter sprechen Arabisch, Bengalisch und Englisch ebenso wie Französisch, Italienisch, Rumänisch, Türkisch und Ukrainisch.

An jedem ersten und dritten Donnerstag im Monat gibt es einen Eltern-Kind-Treff im CVJM-Raum am Kirchweg 10 in 33647 Bielefeld-Brackwede. Dann besteht auch Gelegenheit, die Stadteilmütter „einfach mal“ kennenzulernen.

Finanziert wird das Projekt von der Stadt Bielefeld.

Kontakt: Laura Borgelt, Tel. 0521-94239-120, E-Mail: Laura.borgelt@diakonie-bielefeld.de

Auf Instagram: @STADTTEILMÜTTER_BRACKWEDE