Bielefeld-Sennestadt / Minden, 19. August 2025. In Krankenhäusern gibt es Auszubildenden-Stationen schon häufiger. In der stationären Pflege dagegen sind sie eine Seltenheit. Noch, könnte man sagen, denn mit großem Interesse hat sich vor wenigen Tagen die Diakonie Stiftung Salem (Minden) im Evangelischen Altenzentrum Ernst-Barlach-Haus (EBH) in Sennestadt umgeschaut. Dort hat „DeineDiakonie“* eine auf Dauer angelegte Auszubildenden-Station eingerichtet, in enger „Lernort-Kooperation“ mit zwei Pflegeschulen aus Bethel. Ziel ist es, die Pflegeausbildung weiterzuentwickeln, stärker an der Berufspraxis auszurichten und so insgesamt attraktiver zu gestalten.
25 Bewohnerinnen und Bewohner werden im Wohnbereich IV des EBH von bis zu zehn Auszubildenden pro Tag betreut. Diese arbeiten eigenständig und zugleich unter Aufsicht in ihrem „Lernfeld“ Wohnbereich. Dazu Markus Friedrich, Leiter des Qualitäts- und Bildungsmanagements von „DeineDiakonie“: „Sie erhalten intensive Unterstützung von Praxisanleitenden, also von examinierten Fachkräften mit Zusatzqualifikation. Diese sind eigens für solche Aufgaben geschult. Auf je fünf Auszubildende kommen bei uns zwei Praxisanleitende.“ Die Azubis können ihren Praxiseinsatz aktiv mitgestalten. Außerdem übernehmen sie – natürlich stets unter Aufsicht – Verantwortung als Bereichs- oder Schichtleitende.
„Wie haben sie das gemacht?“
Von 2016 bis 2020 hatte die Ev. Pflegeakademie der Diakonie Stiftung Salem bereits selbst ein Projekt mit dem Titel „Azubis leiten einen Wohnbereich“ durchgeführt. Das Ende des sehr erfolgreichen Projekts kam durch Corona, wie die Stiftung berichtet. Kürzlich wurde dann Praxisanleiterin Nicole Gerberding vom Stift Lahde durch einen Fachartikel auf die Auszubildenden-Station im EBH aufmerksam. „Uns interessierte: Was haben sie in Sennestadt auf die Beine gestellt und vor allem: Wie haben sie das gemacht?“, so Nicole Gerberding. Schnell war ein Besuch vereinbart. Insgesamt ließen sich drei interessierte Gäste im Ernst-Barlach-Haus von Einrichtungsleiterin Natalya Dyachuk sowie von EBH-Pflegedienstleitung Kateryna Tissen und Markus Friedrich die Station zeigen und das Konzept erläutern.
Nicole Gerberdings Fazit: „Es war ein schöner Tag. Das Konzept fand ich sehr gut. Es hat zum Beispiel Vorteile, alle Auszubildenden auf einem Bereich zu betreuen. So bekommen wir als Praxisanleitungen alles leichter unter einen Hut und können die Einzelnen gezielter ansprechen.“ Deutlich geworden sei auch, dass es genügend Praxisanleitende geben muss, um Dienste auch an den Wochenenden, an freien Tagen und in den Spätschichten abzudecken. In Minden wird Sylvia Fischer, Pflegedienstleitung im Stift Lahde, beim nächsten Treffen der Pflegedienstleitungen die gewonnenen Eindrücke und Vorgehensweisen im Kreise Ihrer Kolleg:innen vorstellen, bevor womöglich erste Schritte für eine eigene Ausbildungsstation in der stationären Pflege folgen.
Dazu Karsten Stüber, Vorstand von „DeineDiakonie“: „Das Interesse der Diakonie Stiftung Salem an unserem neuen Ausbildungskonzept freut uns ganz besonders. Schließlich handelt es sich um den größten Arbeitgeber im Raum Minden, mit rund 100 Einrichtungen und etwa 3.000 Mitarbeitenden. Jedes Jahr werden dort ca.150 Menschen ausgebildet. Uns würde es viel bedeuten, wenn wir unsere Nachbarn dabei konzeptionell unterstützen könnten.“
Infokasten zum Projekt
- Das Auszubildenden-Projekt von „DeineDiakonie“ unterliegt strengen gesetzlichen Vorgaben und ist mit der WTG-Behörde abgestimmt.
- Angehörige wurden aktiv eingebunden und informiert. Auch der Heimbeirat wurde von Beginn an einbezogen.
- Regelmäßige Qualitätsüberprüfungen, Dokumentationen und an Experten-Standards ausgerichteten Maßnahmenpläne stellen die fachgerechte Versorgung sicher.
- Auszubildende übernehmen nicht die volle Verantwortung für einen Wohnbereich, sondern arbeiten eigenständig unter Aufsicht in ihrem Lernfeld.
- DeineDiakonie nimmt mit der Auszubildenden-Station an einem Forschungsprojekt zur Rolle akademisch qualifizierter Pflegefachpersonen teil, als eine von acht Pflegeeinrichtungen deutschlandweit. Dieses Forschungsprojekt läuft im Auftrag des MAGS (Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW (MAGS). Die ersten Interviews mit Pflegestudierenden laufen bereits.