„In Zukunft müssen wir mit weniger Ressourcen mehr Menschen versorgen“, beschreibt Diakonie-Vorstand Karsten Stüber eine der zentralen Herausforderungen für die Pflege in den kommenden Jahren. Wie dieser Herausforderung in der Praxis begegnet werden kann, war unter anderem auch Thema beim Besuch von Ingo Nürnberger, Sozialdezernent der Stadt Bielefeld, auf der Azubi-Station im Ernst-Barlach-Haus. Im gemeinsamen Austausch mit der Hausleitung Natalia Dyachuk, der Pflegedienstleitung Kateryna Tissen, den Auszubildenden Tugce Demir und Aline Nele Krieft sowie der Praxisanleitung Simone Wosch bekam Bielefelds Sozialdezernent dazu Informationen aus erster Hand.
Dabei erhielt er einen Eindruck davon, was diese Herausforderung für die Praxis bedeutet und mit welchen praktischen Ansätzen ihr bereits heute begegnet wird. Zum Beispiel zeigt die Auszubildende Tugce Demir, wie sich die Pflegedokumentation mithilfe des KI-Sprachassistenten „Voize“ unkompliziert per Smartphone erledigen lässt. Die Informationen können einfach und direkt eingesprochen werden. So lässt sich Zeit bei der Dokumentation einsparen, die dann wieder als Zeit für die Betreuung zur Verfügung steht. Nürnberger zeigte sich von der Möglichkeit zur digitalen Unterstützung beeindruckt und sah darin auch Potenzial, den Pflegeberuf besonders für junge Menschen noch attraktiver und zugänglicher zu machen. Ein Eindruck, den die beiden angehenden Pflegefachkräfte Tugce Demir und Aline Nele Krieft deutlich unterstrichen. Das Smartphone unterstütze sie im Arbeitsalltag, weil es sie auch an wichtige Aufgaben erinnere und ihnen bei allen Bewohnerinnen und Bewohnern einen direkten Überblick über die relevanten Informationen biete.
Aber nicht nur im Pflegealltag bieten digitale Lösungen Potenzial für Entlastung. Beispielsweise können Softwarelösungen auch bei Verwaltungsprozessen helfen, Abläufe zu optimieren. Karsten Stüber erläuterte Ingo Nürnberger im Gespräch, wie digitale Lösungen auch hier zur Entlastung beitragen können. Es gebe zum Beispiel KI-gestützte Anwendungen, die dabei helfen, Anträge im Pflegebereich einfacher und effizienter auszufüllen. Mit diesen Anwendungen sei es möglich, Fehler zu reduzieren und im gleichen Zug die Qualität der Anträge zu verbessern. Das könnte einerseits dazu führen, dass die Verwaltungsarbeit reduziert werden kann. Andererseits könnten so auch wieder mehr Kapazitäten für die eigentliche Versorgung frei werden. Solche Lösungen bieten somit auch das Potenzial dazu beizutragen, „mit weniger Ressourcen mehr Menschen zu versorgen“. Gleichzeitig könne von einer höheren Qualität der Anträge möglicherweise auch die Kommune profitieren.
Neben den digitalen Unterstützungsmöglichkeiten rückte beim Besuch von Nürnberger auch die Ausbildung der Pflegefachkräfte in den Fokus. Dabei interessierte den Sozialdezernenten, ob die Auszubildenden durch das Konzept Azubi-Station schneller in verantwortungsvolle Aufgaben hineinwachsen. Simone Wosch, Praxisanleiterin auf der Azubi-Station, bestätigte, dass genau das das Ziel auf der Station sei. Die Auszubildenden sollen - entsprechend nach ihrem jeweiligen Kompetenzstand und begleitet vom Team der Praxisanleiter:innen - den Stationsalltag eigenverantwortlich organisieren. Dazu gehören beispielsweise die Schichtleitung, die Aufgabenverteilung, Arztkontakte und die Koordination der Versorgung.
Tugce Demir erklärt, dass sie durch dieses selbstständige Arbeiten sehr viel gelernt habe - etwa Verantwortung zu übernehmen und den eigenen Arbeitsalltag zu planen und zu strukturieren. „Ich gehe jetzt mit viel mehr Selbstvertrauen, viel mehr Ahnung und größerer Selbstständigkeit in meinen nächsten Ausbildungseinsatz.“, so die Auszubildende.
Damit wurde beim Besuch von Ingo Nürnberger im Ernst-Barlach-Haus deutlich: Um mit weniger Ressourcen mehr Menschen zu versorgen, braucht es sowohl digital gestützte Lösungen als auch eine Ausbildung, die angehende Pflegefachkräfte gezielt fördert und stärkt.