Pilotprojekt „Auszubildenden-WG“

Gruppenbild (v. l.): Frauke Moritz, Leitung WG Schlieffenhof und Praxisanleiterin mit den Azubis Tudor Gruita, Marlene Derksen, Hanna Litwinowicz und Romina Losada Camba, sowie Anja Poppek Auszubildendenbeauftragte von DeineDiakonie, und schließlich Melanie Beckmann, Praxisanleiterin aus einer anderen WG der Diakonie ©DeineDiakonie / U. Rettig

Geschafft, aber zufrieden nach drei Wochen Pilotprojekt in der Pflege-WG Schlieffenhof (v. l. n. r.): die Auszubildenden Tudor Gruita, Marlene Derksen, Hanna Litwinowicz und Romina Losada Camba. Nicht auf dem Foto: die Auszubildenden Gizem Jasari, Berivan Önen und Christine Richert. ©DeineDiakonie/U. Rettig

„Wir sind alle zufrieden“, sagt Bewohnerin Renate Westergerling (l.) über die Auszubildenden-WG. Hier ist sie im Gespräch mit (v. l.) den Praxisanleiterinnen Melanie Beckmann und Lena Möller sowie Mitbewohnerin Gisela Fillies. ©DeineDiakonie/Maylin Igrek

„Wir sind alle zufrieden“, sagt Bewohnerin Renate Westergerling (l.) über die Auszubildenden-WG. Hier ist sie im Gespräch mit dem Auszubildenden Tudor Gruita und Mitbewohnerin Gisela Fillies. ©DeineDiakonie/Frauke Moritz

Im Schlieffenhof hat der Pflege-Nachwuchs das Steuer übernommen

Schloß Holte-Stukenbrock / Gütersloh-Friedrichsdorf, 26. September 2025. „So viele junge Leute hier!“ Seniorin Gisela Fillies staunte nicht schlecht, als sieben Auszubildende das Steuer in der Pflege-WG „Schlieffenhof“ übernahmen; eigenständig, aber unter Aufsicht. „Auszubildenden-WG“ heißt das dreiwöchige Pilotprojekt von DeineDiakonie* in Schloß Holte-Stukenbrock. Vor wenigen Tagen ging es erfolgreich zu Ende.

„Verkehrte Welt“ ist das passende Wort für die vergangenen Wochen im Schlieffenhof. Oder, wie Einrichtungsleiterin Frauke Moritz sagt: „Alles krempelte sich um. Die Auszubildenden haben die WG übernommen. Wir blieben im Hintergrund.“ Mit „wir“ meint die WG-Leiterin auch zwei fachlich versierte Praxisanleitende aus Schloß Holte-Stukenbrock sowie neun weitere aus anderen Pflege-WGs, die jeweils für einige Tage im Einsatz waren. Diese examinierten Fachkräfte mit Zusatzqualifikation kamen aus anderen Pflege-WGs hinzu, um die sieben Azubis intensiv zu begleiten und zu gewährleisten, dass auch in der Projektphase alles zur vollsten Zufriedenheit der Bewohner:innen getan wurde.

„Am Anfang ein wenig nervös“

„Für unsere Mitarbeitenden war es schon schwer, loszulassen“, erinnert sich Frauke Moritz. Das eigentliche WG-Pflegeteam „durfte“ nämlich überwiegend zuhause bleiben und Überstunden abbauen oder Urlaub nehmen. Bewohnerin Hanna Berger war ebenfalls skeptisch: „Am Anfang habe ich mich schwer damit getan, dass neue Leute kamen. Sie wirkten ein bisschen nervös. Erst haben sie manchmal Dinge vergessen. Aber das hat sich geändert. Inzwischen bin ich sehr zufrieden, und ich habe auch oft schöne Momente erlebt.“ Mitbewohnerin Gisela Fillies fiel die Umstellung von Anfang an leichter: „Man hat sich schnell daran gewöhnt. Die jungen Leute sind ja immer ganz nett. Und eigentlich war alles so wie sonst auch.“

Ein Ziel der „Auszubildenden-WG“ bestand darin, den Blick für das „große Ganze“ zu schärfen. Dies begann mit der Dienstplanung: Wer betreut wen? Welcher Senior benötigt schon früh am Morgen eine Insulingabe, und so fort. Hinzu kamen Tätigkeiten, die selbst Auszubildende im dritten Lehrjahr normalerweise nicht übernehmen, etwa Angehörige zu beraten, mit externen Anbietern und Krankenkassen zu sprechen oder auch Medikamentenpläne zu ändern. „Ich hätte nie gedacht, dass Auszubildende schon solche Aufgaben erledigen dürfen“, sagt Praxisanleiterin Melanie Beckmann aus Rheda-Wiedenbrück. Sie findet: „Es erweitert den Horizont, in der Auszubildenden-WG dabei zu sein. Das gilt für die Azubis ebenso wie für uns Praxisanleitende.“

Mit geradem Rücken und breiten Schultern

Die Auszubildenden selbst machten nach ihrer letzten Dienstübergabe einen leicht erschöpften, aber auch stolzen Eindruck. Frauke Moritz lächelt: „Am Anfang waren sie zurückhaltend. Jetzt gehen sie mit geradem Rücken und breiten Schultern. Und wenn eine Aufgabe schwierig erscheint, heißt es inzwischen: Wir machen das schon.“ Die WG-Leiterin selbst zeigt sich offen für Innovationen: „Wenn die jungen Leute feststellen, dass etwas anders oder besser gemacht werden kann als bisher, dann ist es sinnvoll, es zu ändern.“

Anja Poppek, Ausbildungsbeauftragte für DeineDiakonie, urteilt: „Es sind alles gute Kräfte.“ Das Pilotprojekt in der Pflege-WG Schlieffenhof sei so gut gelaufen, dass es 2026 voraussichtlich in Gütersloh-Friedrichsdorf in der Pflege-WG „Haus am Pfarrgarten“ eine Fortsetzung finde. Jedenfalls sei die nächste „Generation“ an Auszubildenden schon ganz gespannt auf „ihren“ verantwortungsvollen Einsatz in einer „Auszubildenden-WG“.

Bewohnerin Gisela Fillies ist noch eine Sache wichtig: „Es ist gut, dass es Menschen gibt, die in der Pflege arbeiten wollen. Wer dazu Lust hat, der ist bei uns im Schlieffenhof gut aufgehoben.“