Bielefeld-Brackwede, 07. Mai 2026. Nach diesem Kurs sollten Taschendiebe keine Chance mehr haben bei den teilnehmenden Rentnerinnen und Rentnern: Am Donnerstag, 21. Mai 2026, von 10 bis 12 Uhr veranstaltet DeineDiakonie* beziehungsweise die Seniorenarbeit des DiakonieVerbands Brackwede ihren fünften Selbstverteidigungskurs für Seniorinnen. Treffpunkt ist das Gemeindehaus der Bartholomäus-Kirchengemeinde in Brackwede. Für Marianne Hehmann (76) und Ilse Schmitt (72) steht fest: Sie wollen auch diesmal wieder dabei sein.
„Es macht einfach Spaß!“, findet Marianne Hehmann, „und ich fühle mich freier.“ Vier Mal war sie schon mit von der Partie, als der Kampfsport-erfahrene Kursleiter Oliver Böcker Tipps und Kniffe für die ältere Generation weitergab.
„Am Anfang war ich etwas verkrampft“, gibt die 76-Jährige zu. „Zum Beispiel, wenn wir im Kreis gingen und damit rechnen mussten, dass uns jemand angreift.“ Zuvor hatte der Trainer angekündigt, dass er jemanden aus der Runde plötzlich von hinten an die Schulter fassen würde. Sein Ziel: ein möglichst realistisches Szenario zu erzeugen. Und dazu gehört Stress. Denn eins sei klar, so Oliver Böcker. „Auf der Straße erleben Sie extremen Stress.“
Inzwischen geht Marianne Hehmann entspannter mit solchen Trainingssituationen um. „Außerdem nehme ich jedes Mal neue Erfahrungen und Erkenntnisse mit“, sagt sie. „Natürlich gibt es Wiederholungen, aber die sind wichtig.“ Tatsächlich müssen Bewegungsabläufe immer wieder geübt werden, wie Oliver Böcker erklärt, damit sie im Ernstfall automatisch ablaufen.
Wie weit kann Selbstverteidigung für Seniorinnen und Senioren gehen? „Mit zunehmendem Alter lassen Stärke und Beweglichkeit natürlich nach“, erklärt Bettina Platzbecker, Koordinatorin der Offenen Senior:innenarbeit von DeineDiakonie in Brackwede. Aber: „Sie können mit einer aufrechten Körperhaltung, mit mehr Aufmerksamkeit für Ihre Umgebung, mit einer kräftigen Stimme und bestimmten Abwehr-Bewegungen viel erreichen.“ Auch deshalb organisiert sie regelmäßig diese speziellen Kurse. Deeskalation sei ebenfalls ein guter Weg, um Konflikte auszubremsen und, ganz wichtig: die Prävention. Das bedeutet, heikle Situationen rechtzeitig zu erkennen und zu vermeiden.
Die Trillerpfeife ist immer dabei
Marianne Hehmann fragt sich manchmal, ob sie all das, was sie gelernt hat, tatsächlich draußen auf der Straße beherzigen würde. „Neulich erst habe ich mich dabei ertappt, dass meine Handtasche nur über der Schulter hing“, erinnert sie sich. „So hätte ein Taschendieb leichtes Spiel gehabt. Besser wäre es gewesen, den Gurt der Tasche über den Kopf zu ziehen.“ Eine Trillerpfeife hat Marianne Hehmann jetzt ebenfalls immer dabei, um Krach machen zu können. Grundsätzlich ist sie der Meinung: „Es kann am hellichten Tag passieren. Trotzdem darf man sich nicht zu sehr ängstigen und verschließen.“
Das sieht Ilse Schmitt ganz genauso. Die 72-Jährige weiß, dass sie mit ihren knapp 1,55 Metern Körpergröße einen Aggressor eher nicht abschreckt. Also versucht sie, Risiken zu minimieren. Ein Beispiel: „Bisher wäre ich abends um 21 Uhr einfach zum Geldautomaten gegangen. Nachdem Herr Böcker uns darauf hingewiesen hat, dass das keine gute Idee ist, tue ich das jetzt nicht mehr. Außerdem mache ich lieber einen kleinen Umweg, als durch eine dunkle Straße zu gehen.“
Der folgende Tipp hat beide Rentnerinnen besonders überrascht: Fremde bloß nicht duzen! „Das umzusetzen ist gar nicht so einfach“, sagt Ilse Schmitt. „Zu sagen: ‚Lass mich in Ruhe‘, ist viel einfacher als ‚Lassen Sie mich in Ruhe‘. Doch nur so merken Umstehende, dass es nicht um einen harmlosen Streit zwischen Bekannten geht.“
Ein weiteres Mittel, um auf sich aufmerksam zu machen und den Gegner zu „schocken“, ist lautes Schreien. Das muss geübt werden, damit die eigene Stimme im Ernstfall wie bei einem natürlichen Reflex zum Einsatz kommt. „Ich war ja schon laut“, erinnert sich Ilse Schmitt, „aber der Trainer sagte: ‚Nu aber mal los!‘“
Blaue Flecken für den Trainer
Überhaupt, der Trainer: „Man muss ja ein großes, kräftiges Gegenüber haben, um die Übungssituation ernst zu nehmen“, so die Rentnerin. „Daran musste ich mich etwas gewöhnen, aber er ist ja wirklich ein netter, sympathischer Mann.“ Jemand, der offenbar auch einstecken kann. „Er war auch unser Prügelknabe und hat bestimmt einige blaue Flecken abbekommen“, sagt die Seniorin schmunzelnd.
Bis zu 20 Personen können an dem Selbstverteidigungskurs teilnehmen. Die Kosten betragen 10 Euro pro Teilnehmerin. Wer Interesse hat, kann sich gern bei Bettina Platzbecker anmelden unter Telefon 0521-94239217 oder per E-Mail: bettina.platzbecker@diakonie-bielefeld.de